"Greifbar machen, was auf dem Spiel steht"
Es gibt nur wenige Referenten, die einen Vortrag zu einem lange nachwirkenden Erlebnis machen können. Dieter Schonlau gehört dazu. Um 17.30 Uhr in den MEiM-Perspektiven, dem traditionellen Abschluss der Veranstaltung, nimmt er die Besucher mit auf einen "Streifzug durch den Regenwald". Dabei präsentiert er einzigartige Fotos, die von Originalgeräuschen, Live-Berichten und Musik begleitet werden.
Interview aus der markt & wirtschaft:
m&w: Herr Schonlau, was fasziniert Sie am tropischen Regenwald? Ist es vor allem eine große Portion Abenteuerlust, die Sie antreibt?
Schonlau: Ganz am Anfang war es natürlich ein Kindheitstraum. Schon als kleiner Junge habe ich immer davon geträumt, den Regenwald zu erkunden. Heute dringen wir tatsächlich in Gebiete vor, die auf der Landkarte immer noch weiße Flecken darstellen. Natürlich gehört auch immer eine gehörige Portion Abenteuerlust dazu. Wir haben von den Indianern gelernt, Hütten zu bauen, in den Bäumen hoch über dem Erdboden zu übernachten und vor allem: uns ihren Blick angeeignet, den Regenwald zu lesen. Denn obwohl im Wald stets Hochbetrieb herrscht, sind die Tiere so fantastisch getarnt, dass man sie selbst tagsüber, ohne den richtigen Blick, kaum erspähen kann. Aber was meine Frau und mich heute wirklich antreibt, ist der Wunsch, etwas für die Erhaltung dieser einzigartigen Vielfalt zu tun.

m&w: Ihre Vorträge werden unter anderem vom Bundesumweltministerium und vom WWF unterstützt. Was sind Auftrag und Ziel Ihrer Präsentationen?
Schonlau: Ein Umdenken ist immer dringender von Nöten. Wir müssen einfach viel stärker unser Handeln reflektieren. Ein Beispiel: Der Regenwald auf Sumatra und Borneo ist über 100 Millionen Jahre alt, doch schon in 10 bis 15 Jahren wird der Orang Utan ausgestorben sein, weil er keinen Lebensraum mehr findet. Einen großen Anteil daran hat die europäische Politik, die auf Biodiesel setzt, wodurch immer mehr Regenwald für Palmölplantagen abgeholzt wird. Damit solche Zusammenhänge nachhaltig in unser Bewusstsein dringen, ist es notwendig, die Leute mit einer Bild- und Geräuschkulisse aus dem Urwald zu fesseln, um ihnen seine Einzigartigkeit nahe zu bringen. Unsere Vorträge unterscheiden sich daher deutlich von gewöhnlichen Diashows und Länderportraits. An unseren Vorträgen arbeiten wir mitunter vier bis fünf Jahre bis zur Fertigstellung und entwickeln sie jedes Jahr weiter – so etwa bei unserem neuen Projekt, für das wir uns auf die Fährte des Jaguars begeben haben. Wir wollen greifbar machen, was durch unsere Gedankenlosigkeit auf dem Spiel steht.
m&w: „Green Printing“, „Green Meetings“ - Unternehmen setzen verstärkt auf "grüne Technologien". Sind sie damit bereits auf dem richtigen Weg? Was muss noch getan werden für einen verantwortungsvollen Umgang mit der Natur?
Schonlau: Unternehmer müssen natürlich an erster Stelle daran denken, rentabel zu wirtschaften. Und grüne Technologien haben sich heute sicherlich auch zu einem eigenen Umsatzfaktor entwickelt. Ich kann das gut verstehen. Aber entscheidend ist, dass jeder von uns einmal innehält und sich fragt, wofür er denn eigentlich arbeitet. Dabei lässt sich schnell erkennen, dass eine bloße Umsatzmaximierung der falsche Weg ist. Auch wenn es uns oft wie ein Tropfen auf dem heißen Stein vorkommt, wenn wir uns fragen, was wir tun können: Gerade auf diese vielen kleinen Tropfen kommt es an.
m&w: Herr Schonlau, Ihre Reisen kosten Geld. Können Sie von Ihren Vorträgen überhaupt leben?
Schonlau: Nein - wir führen etwa 40 bis 50 Veranstaltungen während der Vortragssaison durch. Meinen Lebensunterhalt bestreite ich mir anders. Ich bin gelernter Konditormeister und arbeite als Marzipankünstler. Allerdings sind auch die Figuren, die ich kreiere durch die Tiere im Regenwald inspiriert.
Quelle: markt & wirtschaft westfalen, Ausgabe 3/10







